Mit Kühen sprechen für besseren Käse - ein Besuch auf einem Biohof

Veröffentlicht am 09.02.2022 in Ortsverein

Mitglieder des Ortsvereins Trossingen nutzten die Gelegenheit, einige Produkte direkt einzukaufen.

Was soll gutes Fleisch kosten? Über diese Frage und weitere Aspekte der Tierhaltung und Produktion tierischer Erzeugnisse konnte sich die SPD Trossingen bei ihrem kürzlichen Besuch auf dem Untermühlbachhof, eine Biolandwirtschaft, die dem Demeter- und dem Biolandverband angehören.

Hans Hartwig Lützow, studierter Tropenlandwirt und einer der Mitgründer, empfing die zahlreichen SPD-Mitglieder um die Gemeinderäte Vatche Kayfedjian und Dieter Görlich sowie Gemeinderatsmitglied Simon Mayer. Drei Familien leben und arbeiten auf dem Hof. Milchkühe, Zugochsen, Zuchtbullen, Mastschweine, Hühner und Schafe leben hier. Zehn Hektar Acker- und 15 Hektar Dauergrünland gehören zum Untermühlbachhof, der mit dem Mathislehof zusammengehört.

Zu Beginn ging es in den Kuhstall. Lützow bezeichnet es nicht als Besuch, sondern als „Begegnung“, als die SPD-Besucher sich die Lebensumstände und die Kühe selbst anschauten. Kälber werden hier großgezogen, leben auf freien Wiesen in einem respektvollen und gefühlvollen Umfeld von Menschen, bis hin zur Schlachtung. Lützow erzählt, dass die Kühe nur in den Melkstand kämen, wenn seine Frau sie riefe. Sie rede auch mit jedem Tier, fragt beispielsweise „Wie war dein Tag?“. In Tieren löst diese Beziehung ein hohes Wohlbefinden und ein Gefühl von Sicherheit aus – wiederzuerkennen ist dies im Endprodukt: Milch und Käse seien geschmacklich erwiesenermaßen anders, weil durch solche Methoden Stress minimiert wird – die Produktqualität wird maximiert. Kühe dürfen nicht das Gefühl haben, unter Zwang Milch abgeben zu müssen.

Anschließend wurde der Schweinestall besucht, in dem 15 bis 20 Schweine, darunter viele Ferkel, leben und herumtoben, herumrennen und wohl zufrieden grunzen. Vor der Begegnung mit Menschen haben Lützows Schweine keine Scheu, wie es für Schweine sonst typisch ist. Hier bedeutet der Mensch keine Gefahr für sie. Mit zehn Monaten erreichen die Schweine 100 bis 120 Kilogramm – Industrieschweine erreichen dies schon nach vier Monaten, keine Bewegung, schlechte Ernährung und die Profitmaximierung liegen dem zugrunde, für ein Schwein gänzlich ungesund.

Das Ergebnis einer solch tierfreundlichen Haltung, man möchte es beinahe Zusammenleben nennen, schlägt sich in den Produkten nieder. „Ein Genuss für den Gaumen“, so Vatche Kayfedjian und seine Mitgenossen bei der Käseprobe – Bergkäse verschiedener Reifungen, Schnittkäse und Frischkäsevariationen werden von den Landwirten produziert, genauso wie Wurst und Fleisch. Im Gewölbekeller liegen circa zwei Tonnen Käselaibe zum Reifen, zehn bis zwölf Liter Milch brauche es für einen Laib, so Lützow. Immer mehr begriffen die SPD-Mitglieder, dass Respekt und Begegnung für und mit den Tieren statt Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen.

Dafür kostet das Kilo Bergkäse 25 Euro, das Kilo Hackfleisch 20 Euro. „Möchte ich Fleisch und Wurst essen, damit ich keinen Hunger mehr habe, oder esse ich mit Bewusstsein, möchte die Begegnung, Respekt äußern und wissen, dass das Tier wertgeschätzt und gut behandelt wurde?“, stellt Vatche Kayfedjian die Frage. Mit Kopf oder mit Herz und Seele? Für Hans Hartwig Lützow und seine Mitstreiter zählen ganz klar Herz und Seele. Und so sollte auch der Konsum ausgerichtet sein. „Gutes Fleisch und guter Käse dürfen so viel Kosten“, sind sich die SPD-Mitglieder einig, die direkt auch einige Einkäufe mit nach Hause nahmen.

Dem Vorsitzenden Vatche Kayfedjian wird immer klarer, weshalb Hans Hartwig Lützow anfangs ihn und dessen Gäste fragte, ob sie sich aus Kopfsache oder aus Herzensangelegenheit für einen Besuch entschlossen. Der Konsum von tierischen Produkten sollte keine Kopfsache sein, Herz und Verstand sollten herrschen, heißt konkret beispielsweise: weniger Fleisch, dafür sich besseres leisten und mit dem Konsum mit Verstand und Respekt umgehen. Simon Mayer bekennt sich als praktizierender Veganer und ist Mitbegründer eines Tierschutzvereins. Für ihn ist klar: „Die Landwirtschaftspolitik muss reformiert werden. Dieser Biohof ist ein Vorbild für nachhaltige Landwirtschaftspolitik“, so Mayer.

Wer ebenfalls an einer Besichtigung und einer Begegnung mit zufriedenen Tieren interessiert ist, kann an einer Führung über den Hof teilnehmen. Und wem das nicht reicht, werden Ferien im „Hüsli“, einem alten Speicher, im Ambiente einer liebevoll restaurierten Ferienwohnung ermöglicht, in der bis zu zehn Personen Urlaub auf dem Bauernhof machen können.

 
 

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